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Christine Ebner

Christine Ebner | Guten Morgen | ab 31. Jänner 2026

„Guten Morgen" fällt im Alltag so häufig, dass es leicht als bloße Höflichkeitsformel durchrutscht, und doch kann es, je nachdem wer es sagt, wann es kommt und wie es gemeint ist, eine Dichte entwickeln, die weit über Routine hinausreicht, weil es nicht nur einen Tagesbeginn markiert, sondern auch eine Beziehung, eine Erwartung, ein leises Versprechen oder einen Mangel an Kontakt, der erst im Moment des Aussprechens wirklich spürbar wird.

Christine Ebner Guten Morgen

Die Serie "Guten Morgen" ist aus jenen frühen Stunden heraus entstanden, in denen der Körper noch nicht ganz im Tag angekommen ist, während draußen bereits Bewegung herrscht, und in denen das Bett, zerknüllt und warm, als ein Ort erscheint, der mehr ist als ein Möbelstück, weil er Spuren sammelt, Zustände speichert und Abwesenheiten ebenso deutlich zeigen kann wie Nähe, wobei die Frage, was in diesem Bett geschehen ist oder unterblieben ist, oft weniger nach Ereignissen fragt als nach Atmosphären, nach dem, was zwischen Menschen liegt, auch wenn sie einander gerade nicht sehen.


Christine Ebner warte


Mich hat dabei nicht interessiert, eine eindeutige Geschichte zu erzählen, sondern die Schwelle selbst, also jener Moment, in dem sich etwas ordnet, obwohl noch nichts entschieden ist, und in dem ein scheinbar kleiner Satz wie „Guten Morgen“ zur Projektionsfläche wird:


Wer sagt ihn zu dir, wenn du aufwachst, wer schickt ihn dir, wer lässt ihn aus, und was verändert sich im Körper, wenn die Aufmerksamkeit, die darin steckt, als echte Zuwendung ankommt oder als Pflichtbeweis, als Routine, als das einzig Verfügbare in einem sonst stillen Tag?


Christine Ebner


Die Bilder halten diese Fragen nicht als Text, sondern als Zustand, indem sie Körperlichkeit andeuten, ohne Personen festzuschreiben, und indem sie mit Stoffen, Faltungen, Überlagerungen und Brüchen arbeiten, sodass etwas sichtbar wird, das man eher kennt, als dass man es erklären könnte: die Art, wie Spuren sich in Material einschreiben, wie eine Form im nächsten Moment kippt, wie ein Rest von Wärme bleibt, obwohl der Körper längst unterwegs ist. Rot und Türkis sind dabei keine bloßen Farben, sondern Kräfte, die zugleich anziehen und trennen, Wärme und Kühle, Puls und Distanz, und die gerade in ihrer Überlagerung ein Feld erzeugen, in dem etwas Intimes auftaucht, ohne jemals ins Private zu kippen.


Christine Ebner


Guten Morgen entsteht in einer Phase, in der sich mehrere Stränge meiner Arbeit überlagern, weil ich mich parallel mit dem Periodensystem der Elemente beschäftige, mit Oxytocin, mit 7 Meter Leben, und weil sich dadurch der Blick auf jenen Augenblick schärft, in dem ein emotionales, hormonelles und gesellschaftliches System hochfährt, also auf den Moment, in dem wir uns, oft schneller als uns bewusst ist, wieder einordnen in Abläufe, in Beziehungen und in Rollen, die tragen können, aber auch drücken, je nachdem wie viel Nähe sie wirklich enthalten.


Mehr Informationen zu Christine Ebner findest du auf ihrer Homepage (die wirklich dringend ein Update benötigt) unter: https://christineebner.at/ oder auf instagram unter @stepandshoulders